Leben in der Zukunft: Eine Vision aus Futurissimae

Heute reisen wir gemeinsam nach Futurissimae. Wie könnten wir in der Zukunft leben? Wenn wir darüber nachdenken, können wir uns mit vielen Themen beschäftigen. Die Digitalisierung wird fortschreiten. Unsere Städte, Häuser und Mobilität werden sich ändern. Wie geht es mit der Globalisierung weiter? Bekommen wir den Klimawandel in den Griff? Wir können uns fragen, wie wir zukünftig zusammen leben wollen.

Ich habe mir mal Gedanken gemacht und meine Vision in eine Kurzgeschichte gepackt, die ich nachfolgend präsentiere.

Um die Geschichte unabhängig von einer konkreten realen Stadt zu machen, habe ich als Handlungsort die fiktive Stadt Futurissimae erfunden. Die Protagonisten der Geschichte sind ebenfalls unabhängig von realen Personen und ihre Namen zufällig gewählt. Auch die Namen von Firmen und Organisationen in der Zukunftswelt entspringen der Fantasie. Kein Zufall ist hingegen, dass ich eine Protagonistin, eine Frau als Ich-Erzählerin gewählt habe. Wann genau die Handlung spielt, lasse ich bewusst offen. Aber vieles von den beschriebenen Inhalten gibt es als Ansätze oder Ideen schon heute und einiges könnten wir relativ schnell umsetzen, wenn wir modern und fortschrittlich denken.

Los geht’s! Futurissimae erwacht.

Wie könnten unsere Städte in der Zukunft aussehen?

Tag 1 in Futurissimae: Entspannt aufwachen …

„I follow, I follow you“ – die Klänge des Lykke-Li-Klassikers erinnern Ben daran, dass es Zeit ist, das gemütliche Bett zu verlassen. Der Blick zur Seite zeigt ihm, dass ich schon aufgestanden bin. Jetzt kann er mir, seiner geliebten Partnerin Emilia folgen. Die mit dem musikalischen Wecker verbundene Steuerung der Schlafzimmer-Beleuchtung in unserem Smart Home taucht den Raum in sanfte Farben. Wenig später fährt Ben mit einem Knopfdruck die Rollladen hoch, um das Sonnenlicht dieses schönen Tages hineinzulassen.

Wahrend er sich noch anzieht, gehe ich schon in die Küche. Während ich das Frühstück zu bereite, schweifen meine Gedanken in die Vergangenheit. Damals war das alles so hektisch mit den sogenannten 9-to-5-Jobs. Morgens früh aufstehen, schnell was essen und sich mit der überfüllten Bahn ins Büro schleppen, weil der Straßenverkehr noch schlimmer gewesen wäre.

… flexibel arbeiten …

Homeoffice macht das Arbeiten flexibler.

Da wir uns vorerst für ein Leben als Dinks entschieden haben, sind wir wirklich in einer angenehmen Situation. Ich kann meinen Job als Journalistin ebenso flexibel organisieren wie Ben seine Arbeit als Manager. Daher können wir es uns leisten, heute erst um 9.30 Uhr zu frühstücken. In den vergangenen Jahren hat sich die Berufswelt stark verändert.

Jeden Tag von morgens bis nachmittags oder manchmal bis zum frühen Abend im Büro zu hocken, wirkt für uns wie Szenen aus einem alten Spielfilm. Zum Büro in unserem Medienzentrum fahre ich üblicherweise nur noch ein bis zweimal pro Woche, wenn die Redaktion sich zur Konferenz trifft. Ansonsten erledige ich meine Arbeit und die Absprachen mit den Kollegen natürlich online.

Nach dem kurzen Weg von der Küche ins Arbeitszimmer ein Blick auf den Redaktionsplan. Zwei größere Reportagen stehen an diesem Montag auf dem Plan. In der Innenstadt eröffnet ein Haushaltswaren-Anbieter seinen neuen Showroom und der ÖPNV-Fahrplan von Futurissimae erhält ein großes Update. Jamal hat schon einen Gesprächstermin für morgen bei dem Händler organisiert und Sophia hat die neuen Fahrplan-Daten bereits in unser System geholt. Gute Kollegen! Die Zusammenarbeit bei Futureport läuft einfach richtig gut.

Während ich an meinem Artikel über den neuen Fahrplan arbeite, zeigt mein Smartphone eine bevorstehende Paket-Lieferung an. Da ich zu der Zeit einen Videocall mit Sophia geplant habe, bitte ich Ben, das Paket anzunehmen. Er arbeitet heute auch zu Hause. Diese Arbeitsweise gibt uns so viel Flexibilität.

… und sich überall wohlfühlen

Außengastronomie direkt am Park

Motivation bietet auch das sonnige Wetter. Daher beschließen wir, zum Mittagessen das kleine Restaurant um die Ecke aufzusuchen. „Das ist einfach so schön hier“, sage ich zu meinem Liebsten, als mein Blick über den kleinen Park schweift, der hier an die Außengastronomie angrenzt. Dazu schmeckt der vegane Eintopf so gut. Mit soviel Energie ist anschließend die restliche Arbeit des Tages schnell erledigt.

Am Abend schlüpfe ich noch in meine Sportklamotten. Bevor es am Mittwoch wieder zum Fitnesskurs geht, mache ich selbst noch ein paar Übungen. Wieder kommen Vergleiche zur Vergangenheit in meinen Kopf. Das war damals ein Hype, als junge Frauen ihre Körper bei Youtube und – wie hieß das nochmal? – ja, bei diesem Instagram zur Schau stellten. Zum Glück hat sich dann die Erkenntnis durchgesetzt, dass da ganz viel Fake dabei war. Jetzt ist Fitnesstraining weit verbreitet, aber nicht um Klischees zu entsprechen, sondern um sich wohlzufühlen. So, genug geschwitzt. Kurz duschen und noch ein bisschen mit Ben kuscheln.

Tag 2 in Futurissimae: Nachhaltig einkaufen …

Während ich am nächsten Vormittag im E-Bus sitze, der mich aus dem Vorort ins Zentrum von Futurissimae bringen, gehe ich nochmal die Informationen durch, die ich mit Jamals Hilfe gestern schon recherchiert habe. Lennart Andersson heißt der Händler, den ich gleich im Showroom seines Geschäfts Anders Neu besuche. Er verkörpert das, was wir in der jüngeren Vergangenheit nicht nur in unserer Innenstadt erlebt haben.

Als damals nach dieser Corona-Pandemie neue Konzepte für Geschäftsleute gesucht wurden, verschwanden die großen Shoppingcenter und die Ketten mit den langweiligen, immer gleichen Filialen. Die Geschäftsräume wurden immer häufiger zu den heutigen Showrooms umgebaut. Produkte attraktiv zu präsentieren und die Kunden zu beraten, wurde wichtiger. Es ist einfach viel angenehmer, sich die dann ausgewählten Produkte nach Hause oder zur Paketstation nahe der Wohnung liefern zu lassen.

… in modernen Geschäften …

Das bestätigt Andersson in unserem Gespräch. „Ich bin so froh, dass ich mein Geschäft in der heutigen Zeit betreiben kann“, sagt der freundliche Schwede, dessen Vorfahren in einem Möbelhaus arbeiteten. „Diese Geiz-ist-geil-Mentalität vieler Menschen wurde damals pervers. Überall soviel Plastik! Dazu noch diese Einschränkung auf wenige große Online-Firmen.“

Upcycling ist nachhaltig.

Für seine eigene Geschäftsidee hat er das Upcycling, das als Trend mit sogenannten Lifehacks begann, perfektioniert. Aus Dingen, die zuvor in der Wegwerf-Gesellschaft auf dem Müll gelandet wären, erstellt er neue praktische Haushaltswaren. „Nachhaltiges Leben wird zum Glück immer selbstverständlicher“, erzählt er zufrieden, als er mir seine Waren vorstellt, die auch noch gut aussehen. Davon können sich in Kürze unsere Leser und in ein paar Tagen auch die ersten Kunden überzeugen. Noch ein paar Fotos und der Besuch ist beendet.

… und anders mit Lebensmitteln umgehen

Auf dem Heimweg mache ich einen Zwischenstopp beim Lebensmittel-Laden. Ben hat die Lebensmittel schon online bestellt. Auch so ein praktischer Fortschritt in unserer heutigen Geschäftswelt. Einfach aussuchen, was lecker ist, und der Einkaufskorb steht im Laden zum Abholen bereit. So spart man Zeit nach der Arbeit.

Lebensmittel stehen zum Abholen bereit.

Meine Kollegin hat vor einiger Zeit mal eine interessante Reportage darüber geschrieben, wie sich die Mitarbeiter in dem Laden viel mehr mit den Produkten beschäftigen können, weil die Arbeit durch die digitale Infrastruktur erleichtert wird und Aufgaben wie das altmodische Kassieren am Fließband weggefallen sind. Durch neue, faire Verträge wurden auch die Bedingungen für Landwirte und andere Lebensmittelproduzenten deutlich verbessert.

Zu Hause zeigt Ben mir das neue Rezept, das ihm im Food-Wiki aufgefallen ist. „Ich liebe es, dass meine Arbeit mir so viel Inspiration bietet“, schwärmt er, während ich die passenden Lebensmittel auspacke. „Du sitzt ja auch an der Quelle“, antworte ich. Als Manager der Digitalfirma More Wiki betreut er diverse Wikis.

Zuvor war Wikipedia als Online-Enzyklopädie das bedeutendste Projekt, bei dem jeder mitmachen und Wissen teilen konnte. Das Internet wurde im Laufe der Jahre noch interaktiver, multimedialer und lehrreicher. Es gibt immer mehr hochwertige Wikis mit praktischen Anleitungen, Ratgebern und anderen informativen Angeboten. Darunter eben auch das Food-Wiki, das unser Abendessen deutlich abwechslungsreicher gemacht hat.

Tag 3 in Futurissimae: Gut zusammen arbeiten …

Redaktionskonferenz in guter Atmosphäre

„Gute Arbeit, Leute!“ Mit dem Lob begrüßt Redaktionsleiterin Jessica uns am Mittwochmittag, als wir in der Lounge von Futureport zusammensitzen. Seit wir die langweiligen Büros abgeschafft haben, ist die ohnehin schon gute Arbeitsatmosphäre noch besser geworden. Wir fühlen uns wie ein Sportteam, das am Spieltag den Lohn für die harte Arbeit im Training einfährt.

„Der neue Händler, den Emilia und Jamal porträtiert haben, ist eines der Topthemen in Futurissimae und das passt zu der modernen Ausrichtung unseres Mediums“, fährt Jessica fort. Mein Kollege lächelt zu mir rüber. Dann verweist die Chefin noch auf den Start des neuen ÖPNV-Fahrplans am Freitag. Sophia und ich übernehmen die Aufgabe, bei der Eröffnungsfeier noch ein paar Interviews im Livestream zu führen.

… fit bleiben …

Fitnesstraining unter freiem Himmel

Nach der Arbeit gehe ich den kurzen Weg zum Sonnenpark, einer der vielen Grünflächen in Futurissimae. Denn mein Fitnesskurs findet heute bei dem frühlingshaften Wetter draußen statt. Trotz der körperlichen Anstrengung liebe ich es einfach, die Sonnenstrahlen zu spüren und die frische Luft zu atmen. Vor allem motiviert es mich natürlich, mit den anderen gemeinsam zu trainieren. Also rein in die Leggins, es geht los.

Unser Trainer Noah hat wieder ein intensives Programm zusammengestellt. Vor ein paar Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich sowas schaffe. Doch mittlerweile ist Fitness nicht nur für mich so selbstverständlich geworden. Außerdem erleichtert die gesunde Ernährung einiges. Was waren das früher für Zeiten, als alle auf diese albernen Influencer geblickt haben! Jetzt schauen wir nur noch auf uns selbst und sind stolz drauf.

… und Unterhaltung genießen

Zu Hause noch schnell unter die Dusche, dann kuschle ich mich zu Ben aufs Sofa. Mein Liebster hat in der Zwischenzeit einen Film für den gemütlichen Abend ausgesucht. Eine schöne Komödie, ideal zum Entspannen. Auch das ist ja heute so einfach. Nicht mehr auf verschiedenen Kanälen mühsam suchen, was gerade läuft, dann auf verschiedenen anderen Seiten was über die Handlung erfahren und Bewertungen finden. Nee, alles schön kompakt und übersichtlich sortiert haben wir hier in unserer Mediabox. Licht aus, Stream an.

Tag 4 in Futurissimae: Bewusst chillen …

Am nächsten Tag können wir schön ausschlafen und entspannt in den Tag starten. Denn der Donnerstag ist in dieser Woche unser offizieller Chill-Tag. Neben der Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens war die allgemeine Reduzierung auf eine Vier-Tage-Woche mit frei wählbarem freien Tag die größte Veränderung in der Arbeitswelt in jüngerer Vergangenheit.

Chillen im Schwimmbad

Nach einem späten Frühstück schwingen wir uns auf die Fahrräder. Das Freizeitbad ist heute unser Ziel. Nichts kann einen Tag am echten Strand ersetzen, aber das Blue Sky kommt diesem Erlebnis mit all seinen Angeboten unter der riesigen Glaskuppel schon ziemlich nah. Nachdem wir uns einige Zeit im Wasser ausgetobt haben, schwimmen wir in den Freibad-Abschnitt und legen uns auf die gemütlichen Bambus-Liegen.

Während Ben die anderen Gäste beobachtet, vertiefe ich mich in den Roman, den ich mir vor kurzem aus der Bücherbox geholt habe. Trotz aller Technik mag ich einfach noch dieses altmodische Lesen auf Papier. Gelesene Bücher an den Sammelstellen immer wieder austauschen zu können, sorgt für zusätzliche Abwechslung.

… und über Bildung reden

Mit unseren Freunden Sumi und Felix treffen wir uns am Abend in unserem Lieblingsrestaurant Sabroso. Sumi erzählt, wie sie mit den Kindern im Zoo waren. Natur ist ihre Leidenschaft und damit hat sie den Nachwuchs angesteckt. Nachdem sie sich damals bei Fridays for Future, der jungen Klimaschutz-Bewegung, engagiert hatte, wurde ihr Lieblingsthema zum Beruf. Sie erzählt immer wieder mit großer Leidenschaft von ihrer Arbeit als Bioinformatikerin.

Bildung und Natur gehören zusammen.

Als wir über die enormen Fortschritte in der Wissenschaft und auch in der Medizin sprechen, betont Felix den Einfluss auf die Bildung. „Ewig lang haben die Politiker das Thema komplett vernachlässigt. Das war so rücksichtslos gegenüber den Kindern!“ Er weiß, wovon er heute, in der besseren Welt, spricht. Schließlich haben Sumi und er nicht nur selbst zwei liebevolle, wissbegierige Kinder. Als Lehrer der Stufe 1 beschäftigt er sich jeden Tag mit den jüngsten Lernenden. Doch auf der weiterführenden Stufe 2 und bei den Universitäten auf Stufe 3 sind die Veränderungen zu sehen.

„Seit wir diesen Schwachsinn mit unterschiedlichen Schulformen, Frontalunterricht usw. abgeschafft haben und die Kinder in Gruppen individuell an den Lernzielen arbeiten lassen, ist alles soviel besser geworden“, redet er weiter Klartext. „Ja, das sehen wir auch bei unserer Nichte Hannah und ihren Freunden“, sage ich zustimmend. „Die sind heutzutage alle so vielfältig interessiert und können viel ganzheitlicher denken, wie diese Universalgelehrten vor ewigen Jahren. Außerdem haben die Kinder ihre praktischen Fähigkeiten verbessert und ein so tolles Sozialverhalten.“

Tag 5 in Futurissimae: Vernetzter Verkehr …

Mit Sophia stehe ich am nächsten Vormittag auf dem Dach des Mobilitätszentrums, das wie die meisten Gebäude der Stadt mit grünen Pflanzen bedeckt ist. Allein schon wegen des tollen Ausblicks lohnt es sich, hier oben zu sein. Aber wir sind ja als Reporterinnen unterwegs. Bei einer Info-Veranstaltung zum Start des neuen ÖPNV-Fahrplans sprechen wir im Futureport-Livestream mit Paolo Verde. Der Chef des Verkehrsbetriebs zeigt auf den nahegelegenen Franziskaplatz, den zentralen Knotenpunkt des städtischen Verkehrs.

Die Verkehrsmittel sind gut verbunden.

„Wir haben unseren integralen Taktfahrplan weiter verbessert“, erklärt Verde vor unserer Kamera. „Die Fahrpläne sind jetzt noch genauer aufeinander abgestimmt und die Anbindung an den Bahnhof überarbeitet. So können die Menschen in Futurissimae noch einfacher und schneller unterwegs sein.“ Die Zuschauer, die im Livestream-Chat mitdiskutieren, reagieren positiv auf die Neuigkeiten. Sophia bringt einige Kommentare der Zuschauer in unser Gespräch ein.

„Der Bürgerrat hat vor einiger Zeit nach einer Umfrage auch über die Radfahrer diskutiert. Welche Änderungen gab es diesbezüglich?“ frage ich Verde wenig später. In der Zwischenzeit sind wir ins Erdgeschoss des ehemaligen Auto-Parkhauses gegangen. Während in der oberen Etage die Busse parken, ist hier damals eine große Abstellfläche für Fahrräder entstanden. „Wir haben auf die weiter gestiegene Nachfrage reagiert und zusätzliche Stellplätze eingerichtet. Für die E-Bikes haben wir weitere Solar-Ladestationen aufgebaut.“

Verde erinnert im weiteren Verlauf des Gesprächs an die Zeit, in der private Autos schrittweise abgeschafft wurden, und zeigt sich glücklich darüber, dass außer dem ÖPNV, Fahrrädern und Fußgängern nur Lieferwagen und notwendige Fahrzeuge wie Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen auf den Straßen unterwegs sind. „Das hat die Lebensqualität letztlich deutlich erhöht.“ Da können wir dem Verkehrschef nur zustimmen.

… und zukunftsorientierte Politik …

Nach der Arbeit geht es für mich am frühen Abend spannend weiter. Gemeinsam mit Ben nehme ich an einer Diskussionsrunde im Bürgertreff teil. Mindestens einmal im Monat kommen interessierte Bürger zusammen, um über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen zu sprechen. Heute hält mein Kollege Louis, ein Experte für Geschichte, zum Auftakt einen spannenden Vortrag über die grüne Revolution und all die Fortschritte unserer modernen Gesellschaft.

Mensch, Natur und Technik werden vernetzt.

Zu Beginn seiner Rede zeigt er nach oben. „Wir befinden uns in einer ehemaligen Kirche, aber wir haben die Religionsgemeinschaften mit ihren autoritären Führungsetagen abgeschafft. Nicht der Papst oder sonst ein religiöses Oberhaupt entscheidet über unser Leben, sondern wir alle zusammen. Außerdem haben wir die konservative Politik, die unser Land so lange gebremst hat, überwunden. Heute steht das Prinzip Vermenatec im Mittelpunkt.“ Die Abkürzung steht für die Vernetzung von Mensch, Natur und Technik.

Seit die grüne Regierung mit der Partei PFF (People for Future) das Land führt, werden Entscheidung unabhängig von dem früher üblichen Lobbyismus getroffen. Louis erinnert an die Einrichtung von Bürgerräten und Volksentscheiden. Dadurch werden die verschiedenen Interessen aller Menschen stärker und gleichberechtigt berücksichtigt. Außerdem hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Herausforderungen zusammenhängen, weshalb nun eben Mensch, Natur und Technik gleichermaßen im Blick sind. „Fight every crisis“ lautete früher mal das Motto. Aus den Krisen sind Herausforderungen und Chancen geworden, seit der Blick mehr auf die Gegenwart und Zukunft statt auf die Vergangenheit gerichtet ist.

… bringen Fortschritt

In der anschließenden Diskussion sprechen wir über einige Beispiele des Fortschritts. Durch die massive Ausweitung von Grünflächen und die Umstellung des Verkehrs haben wir den Klimawandel in den Griff bekommen und die Natur aufgewertet. Wirtschaft und Industrie sind nachhaltiger und fairer geworden. Wo einst kirchliche Einrichtungen und Büros waren, sind neue Wohnungen entstanden. Neben den verbesserten Arbeitsbedingungen hat das bedingungslose Grundeinkommen für Entspannung gesorgt.

Durch das erhöhte Engagement in der Medizin, das damals in der Corona-Pandemie entstand, und die Hygienemaßnahmen, die wir gelernt haben, bekämpfen wir immer mehr Krankheiten erfolgreich. Was ich besonders wichtig und wertvoll finde: All diese Fortschritte kommen nicht nur unserem Land, sondern der ganzen Welt zugute. Der internationale Austausch und die Hilfe für schwächere Staaten sind ebenfalls besser geworden.

Als ich am Ende dieses sehr intensiven Tages ins Bett falle, fühle ich mich sehr glücklich, in der heutigen Welt leben zu dürfen.

Tag 6 in Futurissimae: Es lebe der Sport …

Volleyball geht immer

Es ist richtig laut in der Arena Zukunft an diesem Samstagnachmittag. Die Fans der Future Volleys machen richtig Lärm in der mit rund 10.000 Fans gut gefüllten Arena. Dazu gehören auch Ben und ich. Mein Partner ist als Vorstandsmitglied des Volleyballvereins sowieso fester Bestandteil und ich kann mich der Faszination dieses Sports auch längst nicht mehr entziehen, seit Ben mich zum ersten Mal zu einem Heimspiel mitgenommen hat.

Schließlich bieten die Mädels nicht nur hochklassigen Sport. Auch das Rahmenprogramm ist super. Während die Mannschaften sich aufwärmen, stellt der Sprecher die Gastmannschaft und das eigene Team vor. Videos der Spielerinnen laufen passend dazu über die große Leinwand und es gibt einige interessante Fakten zum Spiel. Dann beginnt die Partie. Die Fans feiern jeden Punkt des spannenden Duells. Die meisten von ihnen sind seit Jahren dabei. Irgendwann haben damals immer mehr Leute gemerkt, dass es andere spannendere Sportarten neben dem lange Zeit dominanten Fußball gibt. Sport ist vielfältiger und gleichberechtigter geworden, bei den Fans ebenso wie in den Medien. Am Ende des Spiels ist der Jubel noch größer, denn unsere Mannschaft setzt sich mit 3:1 durch.

… auch im Urlaub

Sogar abends auf dem Sofa lässt uns der Sport nicht los. „Liebste, ich freu mich schon so sehr auf unseren sportlichen Strandurlaub“, sagt Ben zu mir und spricht damit die Planung für den Sommer an. Wir werden nach Fuerteventura reisen. Dafür hat er bereits unsere Unterkunft gebucht. Wir übernachten bei einheimischen Freunden, die wir vor zwei Jahren kennengelernt haben. So können wir noch besser in das Leben dort eintauchen.

Auf der Insel erwartet uns kein reiner Faulenzer-Urlaub, bei dem wir schön am Strand chillen. Im September findet dort das Finale der internationalen Beachvolleyball-Liga statt. Profi-Sport in Verbindung mit einer riesigen Party, Sonne und Strand – da müssen wir einfach dabei sein. „Da werden wir auch viele Freunde treffen“, ergänze ich und strahle vor lauter Vorfreude.

Tag 7 in Futurissimae: Natur genießen …

Das Zusammenleben in und mit der Natur funktioniert.

Am frühen Sonntagnachmittag schweift mein Blick über den See. Ben und ich haben bei einem Spaziergang im Wald die frische Luft genossen. „Die Hirsche sind so toll“, schwärme ich über die Tiere, die wir zwischen den Bäumen beobachtet haben. „Ja, und die Schmetterlinge haben so schön bunt gestrahlt“, ergänzt Ben. „Es ist schwer vorstellbar, dass damals ein Artensterben drohte. Wie kann man nur so nachlässig und feindlich mit der Natur umgehen? Dabei ist es so einfach, alles zu verbinden. Sieh dir die Kinder da hinten an!“ Er zeigt auf eine Gruppe von Kindern, die in der Nähe des Sees durch den Wald gehen. Auf ihren Smartphones erhalten sie mit Augmented Reality zusätzliche Informationen über die Natur. Das Vermenatec-Prinzip funktioniert auch bei den Jüngsten.

… und online alles ordnen

Update fürs Online-Profil

Zu Hause beschäftige ich mich noch mit meinem Online-Profil. Wie schon die ganze Woche schweifen meine Gedanken dabei ab und ich stelle Vergleiche mit der Vergangenheit an. Damals war auch online vieles komplizierter als heute. Da gab es immer mehr sogenannte Social-Media-Plattformen und noch mehr Aufregung um Privatsphäre, Datenschutz und Verwertungsrechte. Dazu kamen viele mehr oder wenige seriöse Nachrichten-Websites, unendlich viele Ratgeber, Infoseiten und natürlich ein Haufen virtueller Müll.

Wenn ich mir heutzutage mein Online-Profil ansehe, kann man sich kaum noch vorstellen, warum das damals so ein Chaos war. Alle wichtigen Daten zu meiner Person sind auf meinem Server gespeichert und sicher geschützt. Es gibt klar definierte Gruppen von Daten, auf die Behörden, meine Krankenversicherung, Vereine und andere Organisationen Zugriff haben. Alles ist in Gesetzen geregelt, die mit intensiver Bürgerbeteiligung eingeführt wurden. Im privaten Bereich meines Profils kann ich Bilder und Videos sammeln, Texte schreiben, meine Interessen und Empfehlungen teilen und selbst entscheiden, wer worauf Zugriff hat. Die News und Ratgeber tragen Bewertungen, die von Bürgerräten und Experten erstellt wurden, was die Qualität der Inhalte deutlich erhöht hat.

Die schöne neue Welt

„Ach, ich bin einfach so froh, in dieser schönen neuen Welt leben zu dürfen“, sage ich zu Ben, nachdem ich ihm von meinen Gedanken erzählt habe. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht sieht er mich an: „Und ich bin so froh, an deiner Seite zu sein.“ Ich nehme mir vor, morgen eine Geschichte über all meine Eindrücke aus dieser Woche zu schreiben. Eine Geschichte über das Leben in der Zukunft, hier in Futurissimae.