Mit Psychologie die Menschen verstehen

Kennt ihr Stanley Milgram, Solomon Ash, Philip Zimbardo oder Ron Jones? Vieleicht klingelt es eher bei den Begriffen Milgram-Experiment, Konformitätsexperiment, Standford-Prison-Experiment oder Third Wave? Ich könnte auch noch Bystander, Marshmallows, einen Gorilla, Halo oder farbige Wörter erwähnen. Herzlich willkommen in der Welt der Psychologie.

Köpfe vor dem Universum

Die Psychologie hilft zu verstehen, was in den Köpfen der Menschen und der Welt dazwischen passiert.

Ich habe weder Psychologie studiert noch arbeite ich in diesem Bereich. Aber es ist auch als Laie ein sehr interessantes Thema, weil man sehr gut verstehen kann, warum sich Menschen auf eine bestimmte Weise verhalten und wie leicht sie zu beeinflussen sind. Deshalb möchte ich die eingangs angedeuteten Experimente kurz vorstellen.

Im nach Stanley Milgram benannten Experiment geht es um den Konflikt zwischen autoritären Anweisungen und dem eigenen Gewissen. Die Testperson wird vom Versuchsleiter zum „Lehrer“ ernannt und bekommt es mit einem vermeintlichen „Schüler“ zu tun, der allerdings von einem Schauspieler dargestellt wird. Der „Lehrer“ führt mit dem „Schüler“ einen sprachlichen Test durch und soll diesen für Fehler mit Stromschlägen bestrafen. Die Stromschläge, die natürlich nicht echt sind, werden auf Anweisung des Versuchsleiters immer stärker. Die „Lehrer“ machen ziemlich lange mit, bevor ihr Gewissen angesichts des leidenden „Schülers“ zu laut wird. Wenn man das Prinzip auf Diktaturen überträgt, erkennt man die Bedeutung.

Bei Ashs Konformitätsexperiment geht es um die Frage, wie sehr sich eine einzelne Person von einer Gruppe beeinflussen lässt. Die Testperson betrachtet mehrere Linien, von denen eine genauso lang ist wie eine vorgebene Linie. Die richtige Lösung ist klar erkennbar. Doch dann melden sich eingeweihte Teilnehmer aus der Gruppe und nennen einstimmig eine andere, offensichtlich falsche Lösung zu der Aufgabe. Die eigene Wahrnehmung wird angesichts dieses Gruppenzwangs hinterfragt.

Das Stanford-Prison-Experiment, das Philip Zimbardo durchführte, wurde durch die Behandlung im Spielfilm Das Experiment mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle bekannt. Die Versuchsteilnehmer simulieren das Leben im Gefängnis. Sie werden in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine Hälfte wird zu Wärtern, der Rest zu Gefangenen. Beide Gruppen sollten sich ihrer Rolle entsprechend vernünftig verhalten. Doch die Situation eskalierte schnell und aus anfänglichen Späßen und Provokationen wurden schnell ernsthafte Probleme. Im Gegensatz zur Filmhandlung wurde das Original-Experiment immerhin abgebrochen.

Durch einen Roman und die Verfilmung wurde Ron Jones‘ Experiment The Third Wave bekannt. Der Geschichtslehrer wollte seinen Schülern angesichts ihrer Zweifel zeigen, wie der Nationalsozialismus funktionierte und welche Anziehungskraft faschistische Bewegungen gerne haben. Daher gründete er die Bewegung The Third Wave (im Deutschen als „Die Welle“ bekannt). Schon bald zeigte sich Stärke durch Disziplin und Gemeinschaft, aber auch Probleme wie die Ausgrenzung von Nichtmitgliedern und die Unterdrückung von kritischen Stimmen.

Der Bystander- oder Zuschauereffekt wird durch Verantwortungsdiffusion erklärt. Gaffer helfen bei einem Unfall oder einer anderen Notsituation nicht, sondern schieben die Verantwortung auf andere Anwesende. Je weniger Leute anwesend steht, desto größer wird der Druck, doch selbst einzuschreiten. Auch eine klare Ansprache, um das Problem aufmerksam zu machen, kann helfen.

Walter Mischel ist kaum bekannt, sein berühmtes Experiment zum Belohnungsaufschub wurde jedoch schon oft in verschiedenen Varianten gezeigt. Einem Kind wird ein Marshmallow oder eine andere attraktive Süßigkeit gegeben. Der Versuchsleiter erklärt dem Kind, dass es mehr von der Süßigkeit bekommt, wenn es mit dem Essen ein paar Minuten wartet. Dann verlässt er den Raum, während das Kind mit versteckter Kamera beobachtet wird. Das Kind fühlt sich unbeobachtet und kann der Versuchung nicht widerstehen, obwohl es mit etwas Geduld mehr bekommen könnte.

Beim Gorilla-Experiment geht es um die Unaufmerksamkeitsblindheit. Die Versuchsteilnehmer sehen einen Video, in dem sich zwei Teams, eins in weiß und eins in schwarz gekleidet, jeweils einen Basketball zuwerfen. Die Teilnehmer sollen die Pässe beim weißen Team zählen. Durch die Konzentration auf diese Aufgabe bemerken sie nicht, dass eine als Gorilla verkleidete Person quer durchs Bild geht.

Der Halo-Effekt beschreibt eine verzerrte Wahrnehmung. Einer positiv wahrgenommenen Person werden weitere positive Eigenschaften zugeschrieben, ohne zu wissen, ob die Einschätzung zutrifft. Beispiel: Ein schöner Mensch gilt auch als intelligent oder freundlich. Umgekehrt ist das auch mit negativer Wahrnehmung möglich. Ein häufig gezeigtes Beispiel auf der negativen Seite: Schüler oder Bewerber mit ausländisch klingendem Namen werden schlechter bewertet als solche mit typisch deutschen Namen.

Der Stroop-Effekt beschäftigt sich mit Zahlen und Farben. Farbwörter werden dabei entweder in der entsprechenden Farbe (also das Wort rot in roter Farbe) oder einer abweichenden Farbe geschrieben (also das Wort rot in grüner Farbe). Dabei zeigt sich, dass das korrekte Benennen bei übereinstimmenden Farben deutlicher leicht fehlt. Bei Konflikten zwischen Farbname und Schriftfarbe ist das Gehirn hingegen verwirrt. Einen ähnlichen sprachlichen Konflikt gibt es beim McGurk-Effekt. Dort kommt es zur Verwirrung, wenn gehörte Wörter mit nicht dazu passenden Lippenbewegungen präsentiert werden.

Das sind nur einige bekannte Beispiele für spannende Experimente in der Psychologie.