Fotos, die jeder kennt

Durch die Digitalfotografie und Social Media hat sich die Zahl der Fotos, die jeden Tag produziert werden, enorm erhöht. Trotz dieser großen Mengen gibt es auch heute noch besondere Fotos. Es sind Bilder, die stellvertretend für besondere Geschichten stehen. Manche Aufnahmen kennt jeder.

Heute kann jeder auf den Auslöser einer Kamera drücken oder mit dem Smartphone fotografieren, manchmal sogar ein Affe. Aber nur wenigen Menschen gelingen Fotos, die in die Geschichte eingehen. Denn man braucht Erfahrung, das richtige Gespür und etwas Glück, um ein historisches Foto zu erschaffen. Der Begriff Momentaufnahme beschreibt es sehr gut.

Das Foto des Jungen aus dem Warschauer Ghetto ist eines der berühmtesten Bilder der Welt – und der Anlass für diesen Artikel.

Als ich gestern einen Artikel über das Foto des Jungen aus dem Warschauer Ghetto gelesen habe, habe ich darüber nachgedacht und mir sind eine ganze Reihe von historischen Aufnahmen eingefallen. Diese Bilder fasse ich im folgenden Beitrag zusammen. Die Fotos selbst verlinke ich, statt sie direkt zu zeigen – nicht nur wegen des Urheberrechts, sondern auch damit ihr seht, ob das Bild schon in eurem Kopf ist.

Kriege und andere Katastrophen

Die Kriegsfotografie ist die gefährlichste und auch schwierigste Kategorie. Zugleich prägt jedoch nichts die Betrachter so sehr wie der Anblick leidender Menschen. Einige der grausamsten Bilder stammen natürlich aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Kein Ortsname steht so sehr für den Holocaust wie Auschwitz und das Tor mit den Schienen davor ist ewig damit verbunden. Ähnlich berüchtigt sind die Fotos der Buchenwald-Häftlinge und die Porträts, die Wilhelm Brasse anfertigte. Hinzu kommen die zynischen Fotos der Offiziere aus dem Auschwitz-Album. Einen anderen grausamen Aspekt des Zweiten Weltkrieges zeigen die Bilder der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki. Vom Ende des Krieges erzählen die Bilder mit Flaggen auf dem Reichstag und in Iwo Jima, während das Überleben der Kathedrale St. Paul’s ebenfalls zur Ikone wurde. Ein Soldat küsste auf dem Times Square eine Krankenschwester.

Der Vietnam-Krieg brachte zwei sehr berühmte Fotos hervor. Nick Út fotografierte das als Napalm Girl bekannt gewordene Mädchen Phan Thị Kim Phúc und die Erschießung von Nguyễn Văn Lém zeigt einen anderen Aspekt der Grausamkeit. Der Terror bei den Olympischen Spiele 1972 ist für immer mit dem maskierten Täter auf dem Balkon verbunden. Neueren Terror zeigen die brennenden Türme des World Trade Centers, die Folterbilder aus Abu Ghuraib und der tote Junge Alan Kurdi als Symbol des Syrien-Kriegs.

Eine andere Grausamkeit ist der Hunger in Afrika, drastisch dargestellt im Foto The vulture and the little girl. Auf harmlosere Weise wurde auch die Migrant Mother als Zeichen des Hungers bekannt. Zu den bekanntesten Flüchtlingen gehört auf jeden Fall die Afghanin Sharbat Gula, die aufs Titelbild bei National Geographic kam. Außerdem gibt es technische Katastrophen wie das Ende des Zeppelins Hindenburg oder den Untergang der Titanic.

Protest und politische Botschaften

Viele Menschen setzen sich gegen Missstände und für ein friedliches Zusammenleben ein. Andere Menschen senden politische Botschaften. Einige ihrer berühmten Gesten sind in Bildern festgehalten. Für die Rechte dunkelhäutiger Menschen steht u.a. Ieshia Evans in Baton Rouge, während die Black-Power-Bewegung, die bei der olympischen Siegerehrung 1968 bekannt wurde, zu radikal auftrat. Der Tank Man stellte sich in China Panzern entgegen. Viel beachtet wurde auch Willy Brandts Kniefall in Warschau und die 68er-Bewegung lüftete unter den Talaren durch. Der Bruderkuss wurde vor allem in Osteuropa zum Symbol. Conrad Schumann sprang beim Mauerbau noch auf die andere Seite. Das Thema Abtreibung sorgte für eines der bekanntesten Zeitschriften-Cover der deutschen Geschichte.

Wissenschaft

Auch die Wissenschaft brachte einige berühmte Fotos hervor. Nach der Mondlandung wurden der Erdaufgang und die Erde als Ganzes festgehalten. Ein weiteres bekanntes Bild aus der Astronomie heißt Pillars of Creation. Conrad Röntgen bildete die Hand seiner Frau nicht mit einer normalen Kamera ab. Der wohl berühmteste Wissenschaftler Albert Einstein zeigte hingegen mal seine Zunge. Weniger wissenschaftlich, aber doch eine Leistung war der Bau des Rockefeller Centers. In Erinnerung bleibt davon die Mittagspause auf dem Stahlträger.

Sport und Kunst

Die Sportfotografie hat ebenfalls einige denkwürdige Bilder zu bieten. Da wäre zum Beispiel das viel diskutierte Foto mit Uwe Seeler 1966 im Wembley-Stadion. Muhammad Ali wurde als der größte Boxer inszeniert.

Zu den berühmten Fotos, die Künstler zeigen, gehören John Lennon und Yoko Ono im Bett sowie Marilyn Monroe auf dem Gitter und die Beatles auf dem Zebrastreifen. Letzteres war ebenso ein Plattencover wie das Nirvana-Baby. Auch einige Bilder aus Filmen haben sich eingeprägt, zum Beispiel Jack in Shining.

Nur eine Auswahl

Die erwähnten Fotos sind nur eine Auswahl. Seit dem allerersten Foto der Geschichte hat sich schließlich eine riesige Menge angesammelt. Weitere bekannte Bilder sind beim World Press Photo und in der Sammlung des Magazins Time zu sehen. Sie sind wichtige Dokumente der Geschichte. Vorausgesetzt sie sind nicht manipuliert und zeigen die Wirklichkeit. Gute Fotos sind eben etwas Besonderes.