3. Oktober – der Feiertag der Bürokraten

„Mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes am 3. Oktober 1990 werden die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Länder der Bundesrepublik Deutschland.“ Dieser Satz steht im ersten Absatz von Artikel 1 des Vertrags zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands, kurz Einigungsvertrag genannt. Sowohl der zitierte Satz als auch der Name des Vertrags klingen sehr bürokratisch und sind es auch. Das Datum, das an dieser Stelle genannt wird, ist aber der Grund dafür, dass heute der Tag der deutschen Einheit begangen wird. Doch den Nationalfeiertag feiert kaum jemand.

Am 9. November 1989 verkündete Günter Schabowski nach einem Blick auf seinen berühmten Zettel die sogenannte Reisefreiheit für DDR-Bürger. Sehr viele von ihnen strömten zur innerdeutschen Grenze. Die Grenzübergänge wurden geöffnet und die Berliner Mauer fiel an diesem Abend, in dieser Nacht. Es war der Höhepunkt der friedlichen Wende, die mit den Montagsdemonstrationen und dem Ruf „Wir sind das Volk“ Schwung aufgenommen hatte. Jeder hat heute noch Bilder dieser Ereignisse im Kopf. Die beteiligten Person wurden berühmt und der Mauerfall ist bis heute das Symbol der deutschen Wiedervereinigung. In Berlin kann man beispielsweise die Geschichte an der Gedenkstätte Bernauer Straße nachvollziehen. Der 9. November ist jedoch offiziell kein Feiertag, obwohl er – auch wegen anderer Ereignisse in der deutschen Geschichte – als Schicksalstag der Deutschen gilt.

Grenzanlage an der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße in Berlin

Grenzanlage an der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße in Berlin

Als Hauptargument gegen den 9. November als Nationalfeiertag gilt, dass dieses Datum auch mit Ereignissen aus dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, vor allem mit der Reichspogromnacht, verbunden ist. Doch können wir nicht gleichzeitig Erfolge feiern und an furchtbare Zeiten erinnern? Diese Kombination zeigt eben, dass das Leben nicht nur schwarz oder weiß, sondern mit seinen positiven und negativen Ausprägungen äußerst komplex ist.

Gerade die wechselhafte deutsche Geschichte ist dafür ein gutes Beispiel. Wir mussten all die Schrecken der NS-Herrschaft und zweier Weltkriege erleiden, aber wir leben heute in einem der friedlichsten und reichsten Länder der Welt. Wir leben seit 28 Jahren in einem wiedervereinten Deutschland und vergessen dabei nicht, dass die DDR ein Unrechtsstaat war und viele Menschen an der Mauer starben.

Wir leben trotz einiger Probleme, die durch Lobbyisten und alltäglichen Streit entstehen, in einem demokratischen Land mit vielen Beteiligungsmöglichkeiten und engagierten Bürgern. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass all diese Vorzüge nicht selbstverständlich sind. Aktuelle Ereignisse zeigen, dass wir die positiven Errungenschaften gegen extremistische, gewalttätige Angriffe verteidigen müssen. Deshalb müssen wir die demokratische, friedliche Welt betonen. Bildlich gesprochen müssen wir das Gute so sehr beleuchten, dass kein Platz für den Schatten des Negativen bleibt. Genau das können wir durch den 9. November in der deutschen Geschichte lernen, aber die Verbindung aus Freude und mahnendem Erinnern ist an jedem Tag wichtig.