Medienkompetenz statt Verbot

Die französische Regierung sorgte in dieser Woche mit einem neuen Gesetz für Aufregung. Demnach werden Smartphones, Tablets und ähnliche Geräte für Schüler bis 15 Jahre in der Schule komplett verboten. Prompt wird darüber auch in Deutschland diskutiert. Dabei ist doch eigentlich offensichtlich, wie unsinnig solch ein Verbot ist.

Smartphones sollten vernünftig genutzt statt verboten werden.

Smartphones sollten vernünftig genutzt statt verboten werden.

Zunächst mal weiß jedes Kind, dass etwas Verbotenes umso mehr begehrt werden. Wenn ein Kind keine Süßigkeiten bekommt, will es umso mehr naschen. Das würde schon als Argument gegen das totale Verbot wie in Frankreich reichen.

Außerdem missachtet die neue Regel die fortschreitende Digitalisierung. So ein Smartphone ist ja heute Telefon, Internetanschluss, Fotoapparat, Navigationssystem und vieles mehr, alles auf einmal. Je mehr Apps installiert sind, desto vielfältiger wird es. Wenn man nicht in einer veralteten, konservativen Welt leben möchte, sondern fortschrittlich und modern denkt, kann man solch ein Gerät gar nicht ignorieren oder unterdrücken, wie es die Franzosen nun versuchen.

Was wir – gerade in Deutschland – stattdessen brauchen, ist Medienkompetenz. Wer junge Menschen zum richtigen, sinnvollen Umgang mit dem Smartphone und Computer bringen will, muss ihnen zeigen, wie sie davon profitieren können. Schließlich gibt es nicht nur Apps zum Chatten und Spielen, sondern auch zum Lernen. Im Google Play Store (für Android) und im App Store fürs iPhone gibt es zahlreiche Apps für Sprachen, Mathematik, Geografie und mehr. Natürlich muss man aus dem umfangreichen Angeboten wie gut gestalteten Anwendungen rausfischen. Natürlich ersetzen sie keinen Unterricht mit Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern. Aber sie können das Interesse der Schüler für ein Fach wecken und vertiefen. Sie können das zusätzliche Üben fördern.

Dazu braucht man eine entsprechende technischen Ausstattung. Moderne Geräte gibt es bisher wohl nur in wenigen deutschen Klassenräumen. Es sei denn, man greift auf die Geräte zu, die die Schüler sowieso mitbringen. Private Nutzung sollte außerhalb der Pausen natürlich unterbleiben. Aber es gibt viele sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten. Ein Beispiel ist das legale Abfotografieren von Inhalten auf der Tafel. Wie wäre es beispielsweise mit QR-Codes auf Arbeitsblättern, die die Aufgaben zum Beispiel mit multimedialen Inhalten wie Videos verbinden?

Informatik und Programmieren kann man in deutschen Schulen wenn überhaupt nur in speziellen Computer-AGs lernen. Warum eigentlich? Immer mehr Berufe werden immer intensiver digitalisiert. Vor allem die Gestaltung von modernen Websites und auch die geschäftliche Nutzung von Facebook und Google werden immer wichtiger. Kaum ein Geschäftsinhaber kann heute noch überleben, wenn er die Möglichkeiten des Internets nicht nutzt. Wo beginnt eine erfolgreiche Karriere? In einer guten Schule!

Damit all diese schönen Ideen funktionieren, brauchen wir natürlich entsprechende ausgebildete Lehrer, die die digitale Welt kompetent vermitteln können. Deshalb sollte sich die Politik darauf konzentrieren, entsprechende Voraussetzungen zu schaffen, in der Infrastruktur und beim Personal. Das ist viel sinnvoller als dieses verrückte Verbot in Frankreich.