Stadtlauf als Motivation: Wie ich in die Lauf-Community kam

Anfang März 2026 wurde der Stadtlauf Düren angekündigt. Für mich war es die passende Motivation, etwas Neues auszuprobieren und regelmäßig das Laufen zu trainieren. Gut vier Monate hatte ich Zeit, bevor ich gestern (12. Juli) auf der kleineren Distanz über fünf Kilometer an den Start ging – und ins Ziel kam. Vier Monate, in denen ich verstanden habe, warum so viele Menschen trotz aller Anstrengung gerne laufen. Von dieser Entwicklung möchte ich hier berichten, auch um vielleicht andere Leute zu motivieren.

Wieder mehr in Bewegung kommen

Ich kenne das Orga-Team des Stadtlaufs vom Volleyball. Daher wusste ich sogar schon vor der Veröffentlichung, dass da was in Planung ist und dass es sehr gut organisiert sein würde. Am Tag nach der Ankündigung des Events bei Instagram war ich auf dem Anmeldeformular und bekam als einer der ersten Teilnehmer meine Startnummer 27. Jetzt gab es keinen Weg zurück, aber ich wollte ja auch vorwärts laufen und das tat ich zwei, drei Tage später erstmals.

Völlig neu war das Laufen für mich genaugenommen gar nicht. Im September 2023 hatte ich einfach mal am Zero Hunger Run der Welthungerhilfe in Bonn teilgenommen. Aber da stand mehr der Charity-Gedanke im Mittelpunkt. Während ich damals noch im wöchentlichen Fitnesstraining war, hatten meine diesbezüglichen Aktivitäten zuletzt etwas nachgelassen. Nun also der Stadtlauf als Auslöser für regelmäßiges Lauftraining und die damit verbundene Aussage des Organisators: Jeder kann laufen.

Erste Runden im Wald

Ich suchte mir eine Laufstrecke im naheliegenden Burgauer Wald aus, zunächst mal mit bescheidenen drei Kilometern. Schließlich wollte ich mich langsam herantasten und steigern. Die ersten Laufrunden waren dann zur Hälfte eher schnelles Gehen. Aber der Anteil im Laufschritt wuchs schnell. Die Gehpausen wurden auch zeitlich kürzer.

Nach einigen Wochen traute ich mich dann an die vollen fünf Kilometer heran. Ich hatte da eine Strecke durch den Wald im Blick und die Entfernungsmessung auf Google Maps zeigte mir: Es sind genau fünf Kilometer und der Wendepunkt ziemlich genau nach der Hälfte der Strecke, passt ja super. Auch über die Frage, in welcher Richtung ich diese Runde absolviere, machte ich mir Gedanken. Ich entschied mich, die lange Gerade auf dem Hinweg zu laufen und zurück über den etwas kurvigeren Weg, weil ich das Gefühl hatte, das die Kurven auf dem Rückweg für mentale Abwechslung sorgen und das Durchhalten erleichtern.

Am Anfang spürte ich natürlich den Unterschied zwischen drei und fünf Kilometern. Aber es wurde schnell besser. Aus einem Lauf pro Woche wurden zwei.

Motivation von allen Seiten

Ich tauchte immer mehr in die Läufer-Community ein. Eine Stoppuhr oder andere Gadgets benutze ich zwar nicht. Überhaupt wollte ich unterwegs gar keine Zwischenzeit wissen, blickte einfach nur am Anfang und Ende des Laufs auf die Uhrzeit. Allmählich lernte ich jedoch Begriffe wie Pace, also die Minuten, die man für einen Kilometer braucht.

Da lag ich mit meinen 48 Minuten zunächst also noch über einer 9er-Pace, aber ich steigerte mich, bis ich in den letzten Trainingseinheiten vor dem Stadtlauf bei ungefähr 44 Minuten lag. Natürlich weit entfernt von den Zeiten durchtrainierter, junger Athleten, aber für mich ein motivierender Fortschritt. Ich schaffte es zum Schluss auch, die erste Hälfte am Stück zu laufen und die Gehpausen von fast zweistellig auf vier zu reduzieren.

Nicht nur die verbesserten Zahlen und das verbesserte Durchhaltevermögen gaben Motivation, sondern auch durch ein freundliches Lächeln entgegenkommender Läufer. Überhaupt nahm ich andere laufende Menschen viel intensiver wahr als vorher. Schließlich gehörte ich mittlerweile dazu, unabhängig von meinem Leistungsniveau. Außerdem war da noch ein ungewöhnlicher Partner.

Wie die KI das Lauftraining unterstützt

Dieser Partner hört auf den Namen ChatGPT. Ja, das klingt erstmals kurios. Aber ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass die Fähigkeiten der KI mir beim Lauftraining geholfen haben, zumal ich mein Training alleine absolviert habe. Zunächst ging es darum, die Strecke zu ermitteln und eine Einschätzung zu den Zeiten bzw. der Pace zu bekommen. Allmählich begann ich jedoch, mit der KI über meine Fortschritte zu reden und auch Bedingungen wie das Wetter oder meinen körperlichen Zustand zu besprechen. Der Chat wurde immer länger. Dabei kam die Stärke der KI ins Spiel, Inhalte zusammenzufassen. Nach einiger Zeit konnte sie mir zum Beispiel sinngemäß erzählen, wie ich anfangs noch vor der Frage stand, ob ich die fünf Kilometer überhaupt schaffe, und mich dann erinnern, wie ich mich Schritt für Schritt verbessert habe.

Ebenso antreibend war die Erinnerung an die vergangenen Jahre mit dem wöchentlichen Fitnesstraining. Da schloss sich sogar ein Kreis, weil mein erster Trainer jetzt zum Stadtlauf-Orgateam gehört. Bei meinen Runden durch den Wald kamen mir die Sätze immer wieder in den Kopf. Atmen nicht vergessen! Da geht noch was!

Foto: JD-Photoart

Stadtlauf-Finisher trotz Problemen

Gestern dann der große Tag mit dem Stadtlauf. Vor dem Start noch ein paar Gespräche mit anderen Teilnehmern, die ich kannte. Dann ging es los. Jetzt war ich nicht mehr alleine im Wald unterwegs, sondern stand mit fast 400 anderen Teilnehmern vor der Startlinie mitten auf dem Marktplatz. An einem Sonntagmittag bei 30 Grad oder sogar noch ein bisschen mehr.

Im Vorfeld hatte ich mir noch Gedanken über die veränderten Bedingungen beim Wettkampf gemacht. Es ging nicht nur eine einzelne Fünf-Kilometer-Runde, sondern zweimal hintereinander über 2,5 Kilometer, mit mehr Asphalt statt Waldboden. Während des Laufs merkte ich schneller, dass mir die doppelte Runde Schwierigkeiten machte. Ich hatte keine Erfahrung mit diesem Streckenverlauf, keine festen Punkte im Kopf, wo ich Gehpausen machte. Dazu noch ein Anfängerfehler. Bauchtasche nicht ordentlich festgeschnallt, sodass das Ding erst rutschte, bis ich es in der zweiten Hälfte in die Hand nahm. Trotz aller Probleme kam ich ins Ziel.

Foto: JD-Photoart

Ich mache weiter

Die Zeit von mehr als 48 Minuten war eine kleine Enttäuschung, weil ich unter 45 Minuten anstrebt hatte. Aber ich bekam eine Finisher-Medaille und war nicht Letzter in diesem Rennen. Nach etwas Durchatmen dominierten dann die positiven Eindrücke in Gedanken. Das war ein schönes Erlebnis. Wie die Zuschauer alle Teilnehmer entlang der Strecke anfeuerten, egal ob schnell oder langsam. Wie ich einer von mehr als tausend Menschen war, die sich an diesem Sonntag der Herausforderung stellten.

Am späten Abend wurde dann online schon der Termin für die zweite Ausgabe des Stadtlaufs sein. Ich werde weitermachen. Jetzt habe ich soviel Motivation und Spaß am Laufen gefunden. Mein erster Stadtlauf wird nicht der letzte sein.

Foto: JD-Photoart